frühkindliche Reflexe

Kennst du das auch, dass du …

  • ständig in Bewegung bist
  • sehr impulsiv bist
  • deine Gefühle und dein Temperament schlecht kontrollieren kannst
  • dich nicht lange auf eine Sache konzentrieren kannst
  • schnell das Interesse an dem verlierst, was du gerade tust
  • schlecht zuhören kannst
  • dich schwer tust, Anweisungen zu befolgen
  • das Chaos in deinem Toni nicht in den Griff bekommst

Geht es dir auch so? Wächst dir alles über den Kopf, obwohl du dich doch so sehr bemühst. Immer wieder fallen in deiner Umgebung Worte wie ADS, ADHS, LRS usw. und es war auch schon die Rede davon, dass du vielleicht auch noch Medikamente nehmen sollst.

Leider werden heutzutage Kinder sehr schnell in die AD(H)S- oder LRS-Schiene geschoben und wenn es ganz schlimm kommt, sollen sie sogar ein sehr starkes Medikament einnehmen.

Dabei kann es eine ganz einfache Ursache dafür geben, dass du dich mit manchen Dingen so schwer tust. Es kann sein, dass bei dir noch ein paar frühkindliche Reflexe ihr Unwesen treiben. Mittlerweile ist bewiesen, dass noch aktive frühkindliche Reflexe die neuronale Reifung beeinträchtigen können und somit die Ursache für die Symptome sein können. Und daran ist keiner Schuld.

Wofür haben wir überhaupt Reflexe?

Schon im Mutterleib und wenn wir frisch auf diese Welt kommen, benötigen wir Reflexe, die für unser Überleben notwendig sind, z.B.: den Such- und Saugreflex. Es sind zahlreiche Reflexe im Spiel, so lange wir uns noch nicht willentlich bewegen können. Ohne diese Reflexe wäre die Gehirnreifung gar nicht möglich. Sie sorgen für die Entwicklung und Verknüpfung der einzelnen Gehirnareale mit denen wir dann nach und nach willentlich unsere Muskeln, Motorik, Gefühle, Impulse usw. kontrollieren. Sobald die frühkindlichen Reflexe ihre Aufgabe erfüllt haben, müssen sie sich zurückziehen und dem Menschen die willentliche Steuerung seiner Körperfunktionen überlassen. Manchmal geschieht es, dass sich diese Reflexe nicht zurückziehen und aktiv bleiben. Das bedeutet für die Betroffenen, dass die Ausreifug des Nervensystems und die Gerhirnreifung beeinträchtigt sind und sie ständig gegen diese automatischen Bewegungsmuster ankämpfen müssen und das geht stark zu Lasten

  • der Konzentrationsfähigkeit
  • der Ausdauer
  • der Grob- und Feinmotorik
  • des ruhig Sitzen könnens
  • der Sprachentwicklung
  • der Lese-/Rechtschreibkompetenz

Frühkindliche Reflexe waren also in deiner frühen Kindheit ganz wichtig für deine Entwicklung. Wenn sie sich nicht zurückgezogen haben, können sie dich nun aber ganz schön ärgern.

Hier liste ich dir mal ein paar Beispiele auf. Vielleicht erkennst du dich ja wieder?

Furchtlähmungsreflex
Auch FLR genannt, ist verdammt wichtig dafür, dass du gut mit Stress und Schrecksituationen umgehen lernst. Vielleicht läufst du oft mit hochgezogenen Schultern rum oder hast eher eine schlaffe Körperhaltung. Deine Koordinationsgabe und dein Gleichgewichtssinn sind nicht so optimal ausgeprägt. Wahrscheinlich reagierst du sehr sensibel auf Geräusche, Helligkeit und auf Berührungen und bist eher ängstlich und schüchtern. Du begibst dich nicht so gerne in große Menschenmengen und erstarrst wenn du dich erschrickst.

Bonding-Reflex
Da deine Geburt für dich und deine Mutter eine große Leistung war, sollte sie dann zum Ende hin einen schönen liebevollen Abschluss haben. Das passiert bestens, wenn du nach der Geburt auf die Brust deiner Mutter gelegt wirst. Dann beruhigt sich der Herzschlag deiner Mutter, sie entspannt und beruhigt sich und sie strahlt ganz viel Glück und Liebe aus. Dadurch kommt es zu einer tiefen liebevollen Bindung zwischen dir und deiner Mutter. Durftest du dieses tolle Gefühl nicht erfahren, dann kann es sein, dass du außergewöhnlich ängstlich bist, du ständig viel Zuspruch und Aufmerksamkeit brauchst. Du hast am liebsten ständig jemanden in deiner Nähe und häufig Angst zu versagen. Andererseit provozierst du auch gerne mal, kannst nach-tragend sein und spielst auch gerne mal den Familienclown. Mit Autoritätspersonen kommst du meist nicht so gut zurecht.

Landau
Du hast eher eine steife Körperhaltung und drückst deine Knie meist durch. Deinen Ober- und Unterkörper kannst du nicht gut koordinieren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass dir das Schwimmenlernen, vor allem das Brustschwimmen schwer fällt.

Spinaler Galant
Das Stillsitzen fällt dir echt schwer und du hörst ständig, dass du wohl hyperaktiv bist. Schlafen tust du auch eher unruhig. Vielleicht auch, weil du deine Blase noch nicht so gut kontrollieren kannst und deshalb auch noch nach dem 5. Lebensjahr ins Bett gemacht hast. Echt empfindlich bist du am Rücken und was du gar nicht gut leiden magst, sind enge Anziehsachen und enge Gürtel. Super ist auch, wenn die Zettelchen aus der Kleidung geschnitten sind, erst dann fühlst du dich einigermaßen wohl. Manchmal treten sogar Fehlhaltungen, Skoliose und einer schiefer Gang auf.

Palmarreflex
Der Palmar Reflex in der Hand und der Saugreflex im Mund sind gute Kumpel und machen viel gemeinsam. So kann der Reflex einerseits dafür verantwortlich sein, dass du keine so schöne Handschrift hast, deinen Stift komisch hältst und du z.B.: beim Basteln oder Schreiben den Mund oder die Zunge mitbewegst. Andererseits kann der Reflex aber auch dafür sorgen, dass du undeutlich sprichst oder mit den Zähnen knirschst.

Saugreflex
Vielleicht hast du als Kleinkind besonders viel gesabbert, bist mit offenem Mund rumgelaufen wobei deine Zunge eher auf der Unter-lippe als im Mund lag. Das hat natürlich dazu geführt, dass dir das deutlich sprechen schwer fällt und du vielleicht lispelst oder Buch-staben beim sprechen auslässt. Manchmal ist es dann auch erforderlich, dass du eine Zahnspange brauchst.

Moro-Reflex
Neigst du dazu häufig Wutausbrüche zu haben und kannst nicht so gut Zuneigung zeigen und annehmen? Kontakte zu knüpfen fällt dir auch häufig schwer. Veränderungen und neue Situationen stressen dich, weshalb du schnell auch mal überreagierst. Du kannst Kritik nicht so gut aushalten und neigst zu Stimmungsschwankungen. Du magst keinen Wettbewerb und kannst dich schlecht in einer Gruppe anpassen, weshalb du gerne alleine spielst. Du reagierst oft überempfindlich auf Helligkeit.

Tonischer Labyrinthreflex (vorwärts)
Da für dich Stehen echt anstrengend ist, lehnst du dich bei jeder Gelegenheit irgendwo an oder setzt dich auf den Boden. Wenn du dann doch mal stehen musst, dann stabilisierst du dich, indem du z.B. deine Arme verschränkst oder die Daumen gern in die Gürtelschlaufen schiebst. Da deine Körperhaltung nicht so gut ist, neigst du zu einem runden Rücken.

Tonischer Labyrinthreflex (rückwärts)
Irgendwie bewegst du dich steif und gehst häufig auf Zehenspitzen. Um dein Gleich- gewicht zu halten, bist du ständig in Bewegung. Du kannst schlecht Zeiträume, Entfernungen und Geschwindigkeiten einschätzen, was dich beim Ballspielen und auch in Mathe nicht gerade glänzen lässt. Dich zu organisieren, dein Zimmer aufzuräumen und deinen Toni in Ordnung zu halten sind schon eine echte Herausforderung für dich, weil du auch viele Dinge einfach vergisst.

Symmetrisch tonische Nackenreflex (STNR)
Du sitzt oft auf einem oder beiden Beinen und wickelst gerne die Füße um die Stuhlbeine. Sowieso lümmelst du gerne auf dem Tisch rum. Im Vierfüßlerstand überstreckst du gerne deine Ellbogen. Das Abschreiben von der Tafel fällt dir schwer, auch weil du nach dem Aufblicken oft nicht direkt die richtige Zeile in deinem Heft wieder findest. Mündlich bist du besser in der Schule als schriftlich. Der Übergang in einen neuen Lebensabschnitt fällt dir schwer.

Asymmetrische tonische Nackenreflex (ATNR)
Dieser Reflex sollte dir beibringen gut rechts und links voneinander zu unterscheiden. Ist der Reflex bei dir noch aktiv, dann schreibst du wahrscheinlich ungern und deine Rechtschreibung ist nicht so gut, weil du manchmal Buchstaben vertauschst oder sie sogar ganz weglässt. Du legst dein Heft beim Schreiben gerne schief und wenn du ohne Linien schreibst, dann rutscht deine Schrift rechts immer weiter nach unten.

Direkt am Anfang der Zeile, also links anfangen zu schreiben, fällt dir auch schwer.

Dir fallen alle Bewegungen schwer, wobei du deine Körpermitte überkreuzen musst. Sobald du beim Fahrradfahren nach rechts oder links schaust, dann passiert es dir oft, dass du auch den Lenker in diese Richtung reist.

Babinsky
Hast du häufig am großen Zeh Löcher in deinen Socken oder Beulen in den Schuhen? Dann ist es sehr wahrscheinlich bei dir aktiv.